![]() |
IMPRESSUM | |||||
![]() |
|
|||||
|
Kastration von Kaninchenweibchen Die Kastration von Weibchen ist heutzutage ein Thema, das viele Halter in zwei Lager spaltet. Der eine Teil ist Befürworter einer prophylaktischen Kastration möglichst im Jungtieralter, um mögliche Veränderungen der Gebärmutter tunlichst auszuschließen. Der andere Teil befürwortet einen solchen Eingriff nur dann, wenn entsprechende Auffälligkeiten oder aber ein Befund vorliegen. Die Befürworter der Weibchenkastration gehen davon aus, dass viele Häsinnen im Laufe ihres Lebens an Entzündungen oder gar Krebs an der Gebärmutter erkranken. Wird diese Erkrankung zu spät erkannt, erleiden die Tiere einen schmerzvollen Tod. Die einzige Behandlungsmöglichkeit bei solchen Erkrankungen ist eine Kastration der Häsin. Hier werden Häsinnen, die das erste Lebensjahr vollendet haben, oft präventiv kastriert, um spätere Komplikationen definitiv ausschließen zu können. Der Vorteil einer präventiven Operation in jungen Jahren liegt darin, dass die Tiere sich schneller erholen als ältere, bereits erkrankte Kaninchen. Bei besonders dominanten Tieren kann eine Kastration außerdem zu einer besseren Verträglichkeit mit anderen Kaninchen führen. Schlussendlich muss jeder selbst wissen, wann er sein Kaninchen kastrieren lässt. Wichtig ist jedoch sich darüber im Klaren zu sein, dass keine Operation "leicht" ist. Sicherlich sollte man einen erfahrenen Tierarzt aufsuchen und sicher muss das Kaninchen in einem guten, operablen Allgemeinzustand sein, dennoch birgt eine OP - insbesondere eine Narkose - ein gewisses Risiko. Es gab Fälle, bei denen die Tiere während der OP verstarben oder aber nachher in der Aufwach-Phase. Wenige Tiere verstarben bis zu 48 Std. nach der OP zuhause beim Tierhalter ohne erklärbare Gründe. All diese Punkte sind wichtig zu wissen! Häufige Symptome für krankhafte Gebärmutterveränderungen sind z. B. gesteigerte Angriffslust, häufiges Rammeln, Scheinschwangerschaften mit Nestbau und Ausfluss (schmutzige/r Blume/Genitalbereich). Diese Anzeichen KÖNNEN auftreten, MÜSSEN aber nicht! Der Tierarzt kann durch Abtasten, Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung größere Veränderungen sichtbar machen. Allerdings sind negative Befunde bei solchen Untersuchungen keine Garantie dafür, dass die Häsin nicht doch schon erkrankt ist! Für den Fall, dass bei der tierärztlichen Untersuchung Veränderungen an der Gebärmutter festgestellt werden, sollten Sie sofort einen Kastrationstermin festmachen, denn wenn man die Veränderungen erstmal eindeutig diagnostizieren kann, sind sie oft schon soweit fortgeschritten, dass eine Operation nicht mehr lange aufgeschoben werden darf. Bei der Kastration sollte der Tierarzt Eierstöcke und Gebärmutter entfernen. Verbleiben die Eierstöcke im Körper, so kann es dennoch zu Veränderungen kommen, da Hormone weiter gebildet werden. Erfahrungsgemäß ist ein Alter zwischen einem und zwei Jahren das beste Alter für den Eingriff. Er ist aber auch in fortgeschrittenem Alter noch möglich bzw. kann bei medizinischer Indikation auch schon vor Vollendung des ersten Lebensjahres vorgenommen werden. Vor der Kastration steht die Wahl des richtigen Tierarztes an. Eine Praxis, die von Ihnen ein „nüchternes“ Kaninchen zur OP verlangt, sollten Sie sofort von Ihrer Liste streichen! Kaninchen müssen immer Futter zur Verfügung haben und ein ausreichendes,leicht verdauliches Frühstück vor dem Eingriff ist Pflicht! Ein guter Tierarzt hat Erfahrung mit Häsinnenkastrationen und bietet eine Inhalations- oder VAA-Narkose an. Die Wunde wird nach der OP doppelt oder dreifach geklebt oder vernäht (auch subkutan). Nach der OP und dem Aufwachen des Tieres bekommen viele Tierhalter ihr Tier mit nach Hause. Wenige Ausnahmen machen Kliniken, die in der Regel das Tier über mehrere Tage aufnehmen. Dem Kaninchen sollte ein ruhiger Platz zur Verfügung gestellt werden, möglichst mit dem Partnertier, sofern sich dieses ruhig und lieb verhält und kein Dominanzgehabe zeigt. Letzteres könnte sonst die Patientin zu sehr stressen. Die Wunde muss vor Schmutz und Aufbeißen durch die Patientin geschützt werden: Bitte in den ersten Tagen keine Sägespäne als Streu verwenden sondern Handtücher, Bettlaken o. ä.. Ein Pflaster und eine Doppel- bis Dreifachnaht halten den meisten Häsinnen stand, bei besonders hartnäckigen Damen kann man auch zusätzlich einen „Kaninchenbody“ aus einem Strumpf oder einem Babybody basteln und ihn der Häsin überziehen. Halskrausen bieten zwar viel Schutz für die Wunde, beeinträchtigen das allgemeine Wohlbefinden und die Fresslust der Tiere aber oft so stark, dass sich der positive Effekt wieder aufhebt. Gerade in der ersten Nacht sollten Sie mehrmals nach der Patientin schauen und Temperatur, Fressverhalten und die Unversehrtheit der Naht/des Pflasters überprüfen. Ihr Tierarzt wird Ihnen außerdem ein Schmerzmittel für die ersten Tage mitgeben und eventuell auch ein Antibiotikum. Die Wundheilung kann zusätzlich mit Traumeeltabletten oder Arnikaglobuli aus der Apotheke unterstützt werden. Die wenigsten Kaninchen fressen nach einer OP. Wichtig ist jedoch alles an Leckereien anzubieten. Frische und getrocknete Kräuter, sowie Möhrengrün bietet sich als Futtermittel an, das von vielen Tieren nach der OP selbständig genommen wird. Dill wird erfahrungsgemäß zum Beispiel sehr gerne genommen. Spätestens 24 Std. nach der OP sollte das Tier zumindest minimal selbständig das Fressen beginnen. Ist dies nicht der Fall, ist über eine Zwangsernährung nachzudenken. Zuvor sollte man jedoch alles angeboten haben, was das Tier fressen könnte, ggf. auch das Futter besonders kleinschneiden, raspeln oder pürieren. Mittel zur Zwangsernährung gibt es in der Regel beim Tierarzt (Rodicare Instant oder Critical Care) oder aber unter Umständen auch im Zoofachhandel (JR-Farm). Zur Not können auch von Vitakraft VITA SPECIAL Best Age, Regular oder Best for kids in Flüssigkeit eingeweicht und als Brei oral verabreicht werden. Dass der Kot die Tage nach der OP und während des mäkeligen Fressens sehr klein ist, vielleicht auch sehr weich, ist absolut normal. Wie schnell ein Kaninchenweibchen wieder fit ist, lässt sich schwer standardisieren. Manche sind 48 Std. nach der OP wieder fit, andere schwächeln über mehrere Tage, sind jedoch ansonsten soweit stabil. Für eine schnellstmögliche Genesung sind auch die gewohnte Umgebung sowie das Partnertier hilfreich, WENN a) das Gehege keine Sprünge über oder auf Hindernisse zulässt (wegen der Naht) und b) das Partnertier der Häsin auch mit Tierarztgeruch wohlwollend zur Seite steht. Ansonsten sollte ein Genesungsgehege oder zur Not ein Käfig bereitgestellt werden. Nach etwa 14 Tagen ist die Wundheilung in der Regel abgeschlossen und die Häsin sollte dann wieder vollständig genesen sein. Linktipps Dr. Drescher über Kastration von Kaninchen und Meerschweinchen Dr. Lazarz zur Scheinträchtigkeit und hormonellen Erkrankungen beim Kaninchen Dr. Lazarz zur Überlegung Kastration ja oder nein |
|||||